Mittwoch, 25. Januar 2012

Medellin

die wohl verrückteste Stadt, die ich kenne...


Letzter Punkt unserer Rundreise war Medellin, gut bekannt durch das Drogen-Kartell,  das in den 80er bis Mitte der 90er Jahre der größte Kokain-Exporteur weltweit war. Es wurde unter anderem von Pablo Escobar geführt und konzentrierte seine Aktivitäten von Medellin bis zu den Absatzmärkten in den USA, mit dem Schwerpunkt in Miami und Florida.

Heute ist die Stadt wohl die beliebteste in ganz Kolumbien. Mit 2,5 Mio Einwohnern ist sie auch die zweitgrößte. Alle Kolumbianer haben uns davor vorgeschwärmt, wie schön doch die Stadt sei.

Naja, also ich muss zugeben, dass wir ein bisschen enttäuscht wurden. Die Stadt ist schon ganz nett, aber bestimmt nicht wunderschön. Sie ist sehr modern und verfügt auch über die einzige Metro im ganzen Land. Aber die Kolumbianer finden moderne Sachen immer toll und alte Steine eher langweilig.

Wir haben uns einige Sehenswürdigkeiten angeschaut und das Nachtleben genossen.


Und warum ist Medellin verrückt?

Die Stadt an sich ist aufgrund des Drogenhandels sehr reich und kann sich deshalb ein Metrosystem leisten, es stehen überall Abfalleimer herum und es ist an sich recht sauber und ordentlich. Außerdem gibt es neben der normalen Metro auch ein Metrokable, das ist wie eine Gondel beim Skifahren. Mit dem kann man die Berge hochfahren und das zum normalen Metropreis von 70 Cent. Das verrückteste ist wohl die neue Rolltreppe, damit man den Berg nicht mehr zu Fuß hochlaufen muss. Ja, da ist mitten in der Stadt einfach einmal eine Rolltreppe...

Auf der anderen Seite ist die Bevölkerung zum größten Teil aber sehr arm. Was passiert also: Man schwebt in seiner Gondel 2-5 Meter über die Wellblechhütten hinweg und kann ganz einfach Fotos von den Ärmsten schießen. Das ist schon etwas pervers und ich kam mir vor wie auf einer Safari, wo die Tiere draußen herum laufen und man selbst gut geschützt nahe an ihnen vorbei fährt. Aber seit es diese Gondeln gibt, hat sich das Problemviertel zum Vorzeigeviertel für positive Entwicklung gewandelt und die Leute sind besser an die Stadt angeschlossen. Mittendrin steht auch die größte Bibliothek der Stadt, ein sehr moderner Bau, der an den Stein der Weisen aus Harry Potter erinnert. Das verrückte ist, dass ja in dem Viertel wohl kaum jemand lesen kann und wenn, dann bestimmt keine hochwertige Literatur. Aber auch da muss man wieder bedenken, dass allem ein Zeichen gesetzt wurde, indem die Bibliothek gerade dort hingebaut wurde.


Ich hoffe ihr habt nun einigermaßen verstanden, weshalb ich die Stadt so verrückt finde.


Nach 3 Tagen in Medellin hieß es Abschied nehmen von den anderen Deutschen und wir haben uns in den Bus zurück nach Popayan gesetzt. Nach ca. 10 Stunden sind wir dort auch angekommen und gleich in den ersten Stunden hat es wieder total geschüttet. Da fühle ich mich gleich heimisch. Was wäre mein Popayan nur ohne den täglichen Regen?

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